Italienwissen: ein kleines Vademecum

Ein essentieller Grundwortschatz für die Toskana und mehr

 

Appuntato: Dieser Dienstrang der Carabinieri entspricht dem eines Gefreiten auf Unteroffiziersniveau. Jeder fängt ja mal klein an … Der Appuntato nimmt normalerweise die Protokolle auf und geht dem Maresciallo zur Hand.

Apulier: Italiener, die in Apulien, also am Absatz Italiens leben. Ob der liebe Gott bei der Schöpfung geahnt hat, dass die Form von Italien so praktisch zum Erklären ist? Wer weiß das schon. Menschen aus Apulien jedenfalls lieben das Leben, das Meer, die Gastfreundschaft und vor allem gutes Essen und Trinken! Ein Apulier weint dreimal: wenn er ankommt, wenn er wegfährt und wenn er auf die Waage steigt. Die mamma und die nonna sind natürlich die Größten – sie kochen das beste Essen der Welt, und immer reichlich.

Caffé romano: Espresso mit etwas Zitrone – soll gut gegen Kopfweh helfen!

Carabinieri: Sie sind eine zum italienischen Heer gehörende Polizeieinheit, die in der Vergangenheit einen ähnlichen Ruf wie die Ostfriesen in Deutschland hatten. Die entsprechenden Witze waren dabei austauschbar (»Wie viele Carabinieri braucht man, um eine Glühbirne einzudrehen? – 100: Einer, der die Glühbirne hält, die anderen 99, die das Haus drehen.«). Mittlerweile ist ihr Image aufpoliert worden, und einige Spezialeinheiten gehören zur Elite, wenn es z. B. um die Bekämpfung von Terrorismus und Organisierter Kriminalität geht. Oft sind sie jedoch auch die Dorfpolizei und kümmern sich um die allgemeine Sicherheit. Die Mehrheit der Carabinieri stammt aus dem Süden Italiens – so haben sie einen festen, sicheren Job mit Aufstiegsmöglichkeiten und Ansehen, was in ihren Heimatregionen nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Es gibt unzählige italienische Komödien zum Thema des posto fisso (Ich empfehle dazu den die herrliche Komödie Der Vollposten von Checco Zalone aus dem Jahr 2016).

Chianti: Der Chianti ist in erster Linie das Gebiet, das sich südlich von Florenz in Richtung Siena erstreckt. Der besser bekannte Wein wird in dieser Gegend angebaut und trägt daher seinen Namen. Aber keine Angst! Niemand wird Sie schräg anschauen, wenn Sie sagen: »Ich trinke den Chianti.« Verwechslung ausgeschlossen!

Damigiane: Damit werden große Flaschen in unterschiedlicher Größe bezeichnet, in denen man früher Wein oder Olivenöl lose direkt beim Bauern oder Weingut kaufte und zu Hause in normale Weinflaschen abfüllte und verkorkte.

Etrusker: Bei den Etruskern handelt es sich um ein geheimnisvolles Volk, das vom 8. bis zum 1. Jahrhundert v. Chr. in Mittelitalien lebte und die Kultur Italiens ganz wesentlich beeinflusst hat. Zuerst haben ihnen die cleveren Römer ihre Erkenntnisse in Architektur, Wissenschaften und Lebensart abgeschaut, dann haben sie sie einfach ausradiert. Wenn Sie heute toskanische Dörfer sehen, die auf den Gipfeln der Hügel erbaut wurden, dann hatten dort die Etrusker ihre Finger im Spiel. Schon damals wussten sie, wie man Wasser den Berg hinaufpumpt, wie man den Mücken aus der Talsenke fernbleibt und dadurch Malaria verhütet, und vor allem, wie man bei herrlichem Ausblick eine frische Brise genießt. Etrusker waren unglaubliche Ästheten!

Fagottini: Dabei handelt es sich um gefüllte, wie kleine Beutelchen aussehende Teigtaschen. Normalerweise bindet man sie mit einen Schnittlauchhalm zusammen.

Galateo: Das ist der italienische Knigge. Er wurde 1558 von dem Bischof Giovanni Della Casa geschrieben. Noch heute gelten diese Regeln.

Gazzella: Die Autos der Carabinieri werden im Volksmund »gazzella« genannt, da sie so schnittig wie Gazellen aussehen.

Grappa: Wer kennt ihn nicht, diesen oft leicht nach Terpentin riechenden Schnaps, der aus Weintrester destilliert wird. Toskaner trinken ihn gern nach einem reichlichen Mahl. Venezianer dagegen – verzeihen Sie die Abschweifung –, um ihren Espresso zu »korrigieren«. Vielleicht probieren Sie es einmal! Korrekturen sind ja im Allgemeinen etwas Gutes ...

La Nazione: So heißt die alteingesessene Lokalzeitung von Florenz.

Magistratura: Das ist die italienische Staatsanwaltschaft. Hier arbeiten Leute, die man »Magistrato« nennt.

Maltagliati: So nennt man unregelmäßig geschnittene Nudelteigstücke.

Mamma: Diese besondere Spezies könnte ein ganzes Buch füllen! Besonders für den italienischen Mann ist sie die wichtigste Person im Leben. Diese unverbrüchliche Liebe wird im Ausland oft verlacht, ist in Italien aber die Grundlage einer stabilen Persönlichkeit. Als Partnerin oder Ehefrau sollte man sich gut mit der mamma stellen, denn sonst zieht man den Kürzeren! Auch sollte man nicht in Konkurrenz mit ihr geraten, wenn es ums Kochen geht. Mamma ist am Herd einfach unerreichbar. Sorry, das klingt alles nach Klischee, ist aber so! Und wenn unsere Protagonistin Judy von ihrem Sohn so genannt wird, dann ist das eine Auszeichnung.

Maresciallo: Dieser Dienstrang der Carabinieri ist der unterste der Offiziersränge. Vom Marschall, wie man ihn aus anderen Ländern kennt, ist er weit entfernt. Allerdings ist der Maresciallo meist der Dienststellenleiter in kleinen Orten und hat daher eine recht wichtige Position inne. Den Espresso in der Bar muss er in der Regel nicht bezahlen …

Orci: So heißen die großen, aus Terrakotta gefertigten Olivenölbehälter. Es sind formschöne, bauchige Gefäße, die früher innen mit Blei versiegelt wurden und deswegen seit vielen Jahren für das Aufbewahren von Lebensmitteln verboten sind. Noch in den 80er-Jahren konnte man hochwertiges Olivenöl lose beim Bauern kaufen. Dann wurde der Holzdeckel hochgehoben und das Öl mit einer Kelle herausgeschöpft. Mittlerweile sieht man orci nur noch als Blumenkübel in eleganten Gärten. Echte orci werden auch heute noch in Impruneta und Umgebung in Handarbeit hergestellt. Durch den langwierigen Prozess im Brennofen sind sie ausgesprochen temperaturresistent, aber leider auch sehr teuer.  

Parmigiana di melanzane: Ein fantastischer Auflauf aus Auberginen und Parmesan. Im Roman habe ich mir erlaubt, auch eine Scheibe Mortadella hineinzumogeln. So habe ich es in Apulien gegessen!

Pastella: Das ist eine aus Mehl, Wasser, Salz und Sprudel hergestellte Masse (ähnlich dem Teig von Pfannkuchen), in die man Zucchiniblüten, Zucchinistücke, Zwiebelringe, Salbeiblätter oder kleine Mozzarellakugeln eintaucht, um sie dann in heißem Olivenöl zu frittieren. Ein Geheimtipp: Parmigiano fritto! Parmesanwürfel dafür erst in Mehl wenden, dann in die pastella geben und anschließend frittieren. Einfach köstlich! Wer mag, kann ein klein wenig Zimt verwenden.

Perpetua: Bezeichnung für die Haushälterin eines Priesters.

Pietra serena: Das ist ein grauer Stein, mit dem in der Toskana die Fenster- und Türeinfassungen, sowie Treppen und Balustraden gefertigt werden. Es war der geniale Renaissance-Baumeister Filippo Brunelleschi (er schuf u.a. den Dom von Florenz), der ihn in Mode kommen ließ. Seitdem findet man ihn an Villen, Kirchen und sogar Bauernhäusern. Wörtlich könnte man ihn übersetzen mit „heiterer Stein“.

Pinien: Das sind die hohen, schirmförmigen Kiefern, die in der Toskana wie Rundköpfe aussehen. Im Sommer bieten sie herrlichen Schatten, im Fall von Waldbränden werden sie zu gefährlichen Bomben, die die Funken meterweit in die Umgebung schießen.

Questura: Das ist die italienische Sicherheitsbehörde. Dorthin verbringt man z. B. Verdächtige oder in Haft genommene Täter zum Verhör.

Ribollita: Sie ist eine bäuerliche Gemüsesuppe der toskanischen Küche. Sie schmeckt herrlich und ist ausgesprochen sättigend. Ein Fädchen kaltgepressten Olivenöls obendrauf ist ein absolutes Muss!

Rinderfilet auf Medici Art: Ein am Stück gebratenes Rinderfilet mit Rotweinsoße.

RIS dei Carabinieri (Reparto Investigazioni Scientifiche): Das ist die Einheit, die sich um die Spurensicherung und deren Verarbeitung kümmert.

Spaghetti alla gricia in bianco: Eigentlich ein römisches Nudelgericht mit luftgetrockneter Schweinebacke und römischem Pecorino.

Torta della nonna: Sie ist das toskanischste Dessert überhaupt! Es handelt sich um einen flachen, mit einer Art Vanillecreme gefüllten Kuchen, der mit Mandeln bedeckt ist.

Tramontana: Das ist ein steifer, eiskalter Nordwind, der in der winterlichen Toskana meistens Sonnenwetter bedeutet. Wenn er ums Haus pfeift, bleibt man am besten zu Hause.

Venezianische Leber: Das ist ein typisch venezianisches Gericht mit Kalbsleber und sehr vielen Zwiebeln.

Vin Santo: Der »heiliger Wein« genannte Messwein wird aus weißen Trauben (Trebbiano, Malvasia) gekeltert, die zwei Monate lang auf Bambusmatten in einem ventilierten Raum trocknen. Danach werden sie gepresst und in kleine Barriquefässer aus französischer Eiche gefüllt. Dort reift der Wein mindestens sechs Jahre lang. Man nennt ihn auch »Wein der Freundschaft«, denn ein Gast bekommt ihn in der Toskana sofort aufgetischt – so wie in Deutschland die Tasse Kaffee oder Tee. Die sogenannten Cantuccini, zweifach gebackene traditionelle Kekse mit Mandeln, werden dort hineingetaucht, bis sie sich vollgesogen haben. Egal, ob man nun daran lutscht oder abbeißt, in jedem Fall ist es ein Hochgenuss! Wer mag, kann den Vin Santo auch einfach als Dessertwein trinken. Man findet ihn in vielen Varianten, einige sind eher trocken, andere süß.

Vitello tonnato: Name eines leckeren kalten Kalbfleischgerichts mit einer Soße aus Thunfisch, Kapern und Mayonnaise.

Zypresse: Dieser hohe schlanke Nadelbaum ist das Wahrzeichen der Toskana. Schon die Etrusker verehrten das edle Gewächs und erachteten es als heilig. Daher findet man Zypressen auch heute noch auf Friedhöfen. Angeblich heben sie die Seelen der Verstorbenen in den Himmel. Ob das auch der Grund ist, aus dem man sie entlang der Auffahrten zu noblen Villen gepflanzt hat, kann einem heute wohl nur ein eingefleischter Toskaner erklären. Fakt ist jedoch, dass sie, in Hausnähe gepflanzt, perfekte Blitzableiter sind.

 

So, spätestens jetzt sind auch Sie eine Toskana-Expertin bzw. ein Toskana-Experte! Halt, noch nicht ganz. Erst müssen Sie noch meinen Roman „Mord und Hochzeitsspitzen“ lesen und einen Test auf der letzten Seite bestehen. Okay, das war nur ein Scherz … Aber wenn Sie die Rezepte zu den oben genannten Gerichten suchen, lesen Sie doch einfach weiter in meinem Blog.  

 

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